Gespräche mit Gott | Neale Donald Walsch
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Artikel  >> 'Was Gott will: Welt, aufgewacht!' (Ein Interview mit Neale Donald Walsch)
 
Neale Donald Walsch

Will Gott, dass wir die Welt verändern? Will er, dass wir fairer miteinander umgehen, freundlicher sind, liebenswürdiger? Will Gott, dass wir die Umwelt schützen? Will Gott uns durch Tsunamis und Erdbeben sagen: "Hört auf die Welt, die ich erschaffen habe, so zu behandeln"? Möchte Gott, dass wir leiden? Was will Gott? Neale Donald Walsch versucht im neunten Buch der Reihe "Gespräche mit Gott" Antworten auf diese Fragen zu geben. "Was Gott will", so der Titel seines neuen Buches, liest sich ohne Anstrengung und zügig und hält doch einige Überaschungen parat - eine spirituelle Glanzleistung, die als leichtverdauliche Bettlektüre daherkommt. In diesem Interview erklärt Walsch, warum er dieses Buch schrieb, er nennt einige simple, aber grundlegende Ansätze, wie die Welt verändert werden könnte, er spricht über die Hoffnung, die er für diese Welt hat und darüber, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich persönlich zu wandeln.

Vision Magazine: "Was Gott will" ist kein Dialog mit Gott, wie die meisten Ihrer früheren Bücher - es ist mehr ein gesellschaftliches, politisches Statement, dass in Spiritualität verpackt ist. Was hat Sie veranlasst dieses Buch zu schreiben?

Neale Donald Walsch: Das Buch ist eine Art Zusammenfassung dessen, was ich nach zwölf, dreizehn Jahren in dieser Erfahrungswelt der Gespräche mit Gott für wahr halte. Es wurde mir irgendwann klar, dass der überwiegende Teil dieser Welt nicht versteht, was Gott will. Wenn ich erlebe, wie Menschen Flugzeuge in Gebäude hineinfliegen und dabei rufen "Allah ist gross" oder wie Bomben auf Zivilisten geworfen werden - Bomben, die mit Münzen bezahlt wurden, auf denen steht "Wir vertrauen in Gott" ("In God We Trust") - und dabei Tausende sterben, dann frage ich mich, ob Menschen wirklich verstehen, was Gott will?

VM: Wir möchten gerne daran glauben, dass es eine Bewusstseinsentwicklung und einen spirituellen Wandel geben wird - aber beispielsweise seit der letzten US-Wahl (im Jahr 2004) sind viele pessimistisch geworden. Warum, glauben Sie, laufen die Dinge so, wie sie laufen? Was bedeutet die derzeitige politische Situation?

NDW: Eine Chance! Für alle, die eine andere Sicht der Dinge haben, ist dies die Chance, den Hintern hoch zu kriegen und wirklich etwas zu verändern - die goldene Gelegenheit jetzt zu sagen "Okay, ich habs kapiert". Es ist das himmlische Donnerwetter, das die Menschheit aufwecken soll. Im übrigen gab es davon in den letzten Jahren mehrere - die Ereignisse vom 11. September 2001 gehörten natürlich dazu, der Tsunami von 2004 auch. Eine der Lektionen, die wir aus der Tsunami-Katstrophe lernen sollten, hat mit der Tatsache zu tun, dass es im Südpazifik kein Frühwarnsystem gibt. Der Grund dafür ist simpel der, dass die Gegend in der sogenannten Dritten Welt liegt und sie sich dort kein Frühwarn­system leisten können. Wir haben überall an unseren Küsten welche und natürlich auf Hawaii, weil wirs uns leisten können. Das ist Teil einer "wir hier" und "sie dort"-Denkweise. Wenn wir die ganze Menschheit als eine Gemeinschaft sehen würden, wenn wir endlich der Separationstheologie auf diesem Planeten ein Ende bereiteten und uns klar würden, wer wir in Beziehung zu einander wirklich sind, dann hätten wir nie eine Situation entstehen lassen, in der einem grossen Teil der Welt etwas so Grundlegendes fehlt wie ein Tsunami-Frühwarnsystem, und dann hätten Zehntausende von Leben gerettet werden können.

VM: Manche halten den Tsunami für eine Warnung - von der Umwelt, vielleicht von Gott oder vom Universum.

NDW: Das Universum nimmt nicht Rache für Fehlverhalten. Aber ich sehe das auch so, dass bestimmte Aspekte dieser Ereignisse ihre Ursachen darin haben, was wir der Umwelt antun. So könnte jemand in Zusammenhang mit dem Tsunami fragen "Wie sollten wir das wirklich verursacht haben?". Nun, es ist doch ziemlich einfach. Jahrelang haben die Atombombentests riesige Löcher in die Erde gerissen, kilometergrosse Höhlen sind so entstanden wo vorher festes Erdmaterial war. Wer glaubt, dass das keine Auswirkung auf die Bewegung der Erdplatten hat, denkt vielleicht besser nochmal nach. Kann dadurch die Bewegungsanfälligkeit der Platten um ein Zehnfaches erhöht worden sein und kann dies die Erdbeben verursacht haben, die wir in wachsender Anzahl und Heftigkeit in den letzten Jahren beobachten? Möglicherweise. Ich stimme dem also durchaus zu, dass es eine direkte Verbindung gibt zwischen dem Tsunami bzw. dem Erdbeben, dass diesem voranging, einerseits und dem zerstörerischen Umgang der Menschheit mit der Umwelt andererseits. Aber es ist nicht das Universum oder die Welt oder die Erde, die zum Gegenschlag ausholen - es ist ganz einfach eine Sache von Ursache und Wirkung, wie das auch sonst im Leben ist. So wie die Tatsache, dass wir es nicht geschafft haben, unsere ökonomischen Ressourcen sinnvoll aufzuteilen, Zehntausende von Menschenleben gekostet haben. Ob wir geo-physische, gesellschaftliche, ökonomische oder politische Katastrophen ansehen - alle diese Ereignisse sind Weckrufe. Sie sollten uns nicht Anlass zur Verzweiflung geben oder dazu, verwirrt zu fragen "Was soll das?" , sondern sind Gelegenheiten zu sagen "Oh, ich verstehe. Jetzt ist die Zeit, aus der Reihe zu treten und eine wichtige und sehr lebendige Rolle dabei zu spielen, die Welt von morgen zu schaffen. Ich kann mir nicht länger leisten, dazusitzen und nichts zu tun." Das ist die Botschaft, die bei uns ankommen sollte. Das ist die Botschaft, die wir hören sollten und auf die wir antworten sollten.

VM: Einer der zentralen Gedanken in "Was Gott will" ist der, dass unsere Probleme, die wir als Land, als Welt, als Menschheit haben, nicht ökonomische oder politische Probleme sind, sondern spirituelle. Können Sie uns diesen Gedanken erklären?

NDW: Über Jahrhunderte haben wir versucht unsere Probleme so anzugehen als wären es politische Probleme. Wir haben die Argumente in endlosen Diskussionen hin- und hergedroschen, ohne dass es zu irgendetwas führte. Und dann haben wir irgendwann festgestellt, dass das Problem kein politisches ist, sondern ein wirtschaftliches. Also haben wir alles mit Geld zugedeckt, haben Programme kreiert die Milliarden kosten oder haben - was noch schlimmer ist - Sanktionen verhängt und damit nötiges Geld verweigert. Aber all das Geld - hingeworfen oder gesperrt - konnte die Verhältnisse nicht verändern. Also haben wir acht oder zehn Jahre später gesagt: "Oh, das ist wohl kein ökonomisches Problem, das muss wohl ein militärisches sein!" Und dann werfen wir Bomben und senden Truppen hin, die Menschen töten, um die Probleme zu lösen. Aber wir lösen das Problem immer noch nicht. Also gehen wir wieder zurück und fangen nochmal von vorne an. Das Problem, das die Menschheit heute hat, ist kein ökonomisches, politisches oder miltärisches Problem, sondern ein spirituelles. Das Problem besteht in den meisten unserer Grundüberzeugungen, die wir über einander haben, über unsere Beziehung zum Leben, und natürlich über Gott. Wenn wir diese Grundüberzeugungen verändern, dann verändern wir unser gesamtes Leben, weil Überzeugung Verhalten schafft. Jede unserer Verhaltensweisen erwächst einem tief in uns verwurzelten Glaubenssatz, der aus dem Kern unseres Wesens stammt. Wenn diese grundlegenden Glaubenssätze sich verändern, gerät alles in Bewegung.

VM: Können Sie uns ein Beispiel geben?

NDW: Fünfzig! Aber belassen wir es bei einem: dem Glauben, dass es nicht genug gibt. Dies ist ein grundlegender Glaubenssatz, den die Menschheit über das Leben hat. Es gibt nicht genug Geld, nicht genug Liebe, die Zeit reicht nicht, nicht genug Benzin, Öl oder Wasser; es gibt nicht genug Resourcen, nicht genug Sex, nicht genug von dem, was wir meinen zu brauchen, um glücklich zu sein. Und weil es nicht genug gibt, müssen wir uns um das prügeln, von dem unserer Meinung nach zu wenig da ist. Also würde das ganze System des Wettbewerbs in sich zusammenfallen, wenn wir einen neuen Glaubenssatz annehmen würden, der hiesse "Es gibt genug!". Wir machen das zuhause so. Wenn wir an Thanksgiving (wichtigstes Familienfest in USA) zusammensitzen und das Dessert kommt auf den Tisch, dann sagen wir nicht: "Hm, die Torte reicht nicht, weil wir zwei mehr sind." Nein, wir teilen die Torte in kleinere Stücke und dann bekommt jeder etwas, weil wir wissen, dass es genug gibt - egal wieviel Leute am Tisch sitzen. Es ist nur einfach eine Frage des Blickwinkels - das ist uns noch nicht einmal bewusst. Aber wenn wir von der Welt als Ganzes reden, dann sind wir nicht bereit, uns an den Familientisch zu setzen. Wir nehmen an, dass es nicht genug für alle hat. Deshalb haben wir das System geschaffen, dass wir "freien Wettbewerb" nennen, um dadurch zu bestimmen, wer was kriegt. Das wäre gar nicht so schlecht, wenn nicht dieser Wettbewerb alles andere als frei wäre - in Wirklichkeit haben wir die Gewinner schon im vorraus bestimmt.

VM: In einer Sitution in der die 225 reichsten Menschen so viel Geld haben wie die 3 Milliarden ärmsten - wie soll das praktisch funktionieren?

NDW: Es ist gar nicht so schwer. Wenn wir den Glaubenssatz ändern, den uns die Separationstheologie zu glauben aufgibt, nämlich dass wir getrennt voneinander sind, und einen neuen Glaubenssatz annehmen, dass wir alle eins sind, dann würden diese 225 Menschen ihre Reichtümer auf ganz neue Weise teilen. Sie würden sich erlauben, von schäbigen zehn Millionen pro Jahr zu leben und den Rest weggeben. Oder sie würden einen Weg finden, dafür zu sorgen, dass auf dieser Erde kein Kind mehr verhungert - jede Stunde sterben 400 Kinder an Hunger. Das spirituelle Problem ist, dass wir meinen von Gott, von einander und in gewisser Weise vom Leben getrennt zu sein.

VM: Aber wie können wir das überwinden, was wir mitbringen, was für wahr halten, und wie können wir unsere Furcht vor dem Wandel verlieren?

NDW: Wir müssen merken, dass das, was wir jetzt tun, nicht funktioniert. Schauen Sie sich unseren Planeten an! Wie nah müssen wir der finalen Katstrophe kommen bis wir es kapieren? Wieviele Umweltdisaster können wir noch aushalten, wie oft noch beklatschen, wie Flugzeuge in Gebäude rasen, wieviele Bomben noch auf Tausende von - meist unschuldigen - Menschen werfen bevor wir uns selbst endgültig ausradieren? Muss die Zivilisation, wie wir sie kennen, erst völlig zusammenbrechen? Und wie können wir nur einen Moment ignorieren, dass genau das heute um uns herum geschieht? Schalten Sie CNN an, lesen sie die Morgenzeitung! Hallo! Es ist Zeit, dass die Welt aufwacht!

VM: Glauben Sie, dass wir eine Chance haben?

NDW: Oh ja, ich glaube WIR sind die Chance. Ich glaube die Menschheit muss einfach auf den Zug springen und entscheiden, die Dinge anders zu machen. Ursprünglich war Martin Luther King ein Mensch wie Sie und ich: er ging zur Schule, blieb mal sitzen und kam haderte mit Gott. Aber dann stand er auf und sagte "Nein! Ich akzeptiere das nicht. Ich werde etwas tun!" Alles was es braucht ist, dass wir sagen: "Es ist genug! Ich bin die Hoffnung der Menschheit!" - und dann wird alles anders sein. Kann ein einzelner Mensch die Welt verändern? Fragen Sie Osama Bin Laden. Stellen Sie Ghandi diese Frage und Martin Luther King. Oder noch besser, schauen Sie in den Spiegel und fragen Sie sich selbst.

Neale Donald Walsch ist Autor, Dozent und Schauspieler. Er ist Gründer der "Conversations with God" Stiftung, einer Non-Profit-Organisation, die Kurse zur persönlichen Weiterentwicklung und zur Förderung des spirituellen Verstehens anbietet. Ausserdem initierte er Humanitys Team - eine weltweite Bewegung mit dem Ziel Raum für eine neue From von Spiritualität zu schaffen. Falls Sie mehr Informationen suchen, Bücher bestellen oder Teil des Wandels werden wollen, finden Sie dies auf der Webpage: www.cwg.org.

Erschienen im Vision Magazine. Das Interview führte Ryan Latimer.

26. bis 28. Mai 2006 in CH-Zürich: Weekend-Seminar "Meine Beziehung zu Gott - eine Reise in die Tiefe des Heiligen" mit Neale Donald Walsch. > Details
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14-02-2006/abm
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